Ausbildung bei der NordWestBahn

Die Auszubildenden in der Verwaltung: "Ein spannendes Umfeld."
Ausbildung in der Werkstatt: "Das gibt es nicht in jedem Betrieb."
Personalleiterin Tanja Seifert: "Dafür sind wir ein Team!"

Ein Hintergrundbericht: Berufseinstieg leicht gemacht

Seit der Gründung der NordWestBahn im Jahr 1999 bildet das Unternehmen in der Werkstatt in Osnabrück regelmäßig junge Menschen zu KFZ-Mechatronikern aus. Dass auch kaufmännische Berufe ausgebildet werden, ist hingegen noch relativ neu: In diesem Frühjahr schließen die ersten beiden Bürokauffrauen ihre Ausbildung ab.

Polina steht kurz vor ihrer Abschlussprüfung. Gemeinsam mit Carola ist sie die erste angehende Bürokauffrau, die die NordWestBahn an ihrem Sitz in Osnabrück ausgebildet hat. Während der letzten zwei Jahre hat sie das Unternehmen von all seinen Seiten kennengelernt: Vier bis sechs Wochen sind sie seit Ausbildungsbeginn im August 2013 jeweils einer Abteilung zugeteilt. Ob Eisenbahnsicherheit, Personalabteilung, oder Kundenservice, die Einsatzorte sind genauso interessant wie vielfältig. „Die Verkehrsbranche ist ein wirklich spannendes Umfeld. Viele denken gar nicht darüber nach, dass Eisenbahnverkehrsunternehmen auch viele Basisabteilungen haben“, sagt Polina. „Und in fast jede können wir während der Ausbildung einmal reinschnuppern.“

Starker Partner
Mit den Stadtwerken Osnabrück hat die NordWestBahn einen starken Partner an ihrer Seite. Alle Abteilungen, die die NordWestBahn nicht selbst vorhält, aber im Ausbildungsplan vorgesehen sind – wie die Finanzbuchhaltung – werden von den Stadtwerken gestellt. „Da die Buchhaltung der NordWestBahn von unserer Konzernmutter, der Transdev Deutschland GmbH, erledigt wird, freuen wir uns um so mehr über die Kooperation mit den Stadtwerken Osnabrück“, erläutert Personalchefin Tanja Seifert. „Sie macht eine kaufmännische Ausbildung bei uns überhaupt erst möglich.“ Auch bei der gewerblichen Ausbildung arbeitet die NordWestBahn eng mit den Stadtwerken zusammen. 50 Prozent ihrer Ausbildungszeit verbringen die drei Azubis zum KFZ-Mechatroniker in der Buswerkstatt der Stadtwerke und lernen so viele verschiedene Fahrzeuge kennen: Zug, Bus, LKW, PKW, darunter auch Elektrofahrzeuge. „Der Zug ist natürlich am spannendsten“, sagt Jan-Hendrik, KFZ-Mechatroniker im zweiten Lehrjahr. „Den gibt es schließlich nicht in jedem Ausbildungsbetrieb.“

Flexibel gestaltet
Die vielen Stationen während der Ausbildung schätzt Bürokauffrau-Azubi Carola sehr. „Mit der Zeit versteht man immer mehr, wie die einzelnen Abteilungen zusammenarbeiten.“ Seit die 19-jährige zu Schulzeiten ein Praktikum bei der Deutschen Bahn gemacht hat, stand für sie fest: Ihr Herz schlägt für die Eisenbahn. „Eigentlich hätte ich sogar gerne eine Ausbildung im Zugbegleitdienst gemacht.“ Da der Beruf des Servicemitarbeiters allerdings kein klassischer Ausbildungsberuf ist, entschied sich Carola für die kaufmännische Ausbildung – und erhielt von Tanja Seifert direkt ein tolles Angebot. „Mein Ausbildungsschwerpunkt lautet ‚Service‘“, erzählt sie. So ist auch – anders als bei ihren Mit-Azubis – der Zugbegleitdienst feste Station in ihrem Ausbildungsplan. „Toll, wie man sofort auf meine Leidenschaft eingegangen ist.“

Die zweite Generation
Seit August 2015 komplettieren Svenja und Gerrit das kaufmännische Azubi-Quartett. „Von Anfang an durften wir Projekte eigenständig betreuen“, erzählt Svenja. „Eines meiner Highlights war die Gesundheitswoche 2015. An zwei Tagen haben wir an zahlreichen der über 200 Bahnhöfen, die die NordWestBahn anfährt, das Personal vor Ort mit frischem Obst und Säften versorgt“ – Routen- und Mengenplanung inklusive.

Anpacken in der Werkstatt
Damit die Züge überhaupt unterwegs sein können, dafür sorgt unter anderem Jan-Hendrik. „Ob Wartungs- oder Reparaturarbeiten, ich durfte sofort überall mit anpacken“, sagt der 17-Jährige. „Schon wenige Tage nach  Ausbildungsbeginn habe ich bei einem Getriebeausbau mithelfen dürfen. Das war ganz schön beeindruckend.“ Klar, denn die Arbeit an diesem komplexen Bauteil mit unzähligen Komponenten und einem Gewicht von knapp einer halben Tonne ist eine Aufgabe für zwei bis drei Mitarbeiter und dauert gerne auch mal zwei Schichten. Nach jeder Wartung oder Reparatur erfolgt natürlich eine kleine Probefahrt im Beisein der KFZ-Mechatroniker. Für Jan-Hendrik immer der spannendste Moment und Ansporn zugleich: „Es ist ein tolles Gefühl, wenn hinterher wieder alles einwandfrei funktioniert.“ Achtet er jetzt, wo er die Technik genauer kennt, bei Zügen auf etwas anderes als früher? „Und ob“, sagt er. „Viele Dinge oder Fehler erkennt man am Geräusch. Wenn ich irgendwo einen Zug sehe, höre ich immer genau hin, ob alles ‚normal‘ klingt.“

Das große Ganze
70 bis 80 Prozent der insgesamt rund 870 Mitarbeiter kommen direkt aus der Region. Das bedeutet, dass viele Mitarbeiter die NordWestBahn bereits vor ihrem Stellenantritt kannten und wussten, wofür sie als Dienstleister im Schienenpersonennahverkehr steht – nämlich für ein regional verwurzeltes Unternehmen mit starker Serviceorientierung. „Eine eingereichte Bewerbung zeigt, dass sich der oder diejenige mit diesen Werten identifizieren kann. Das ist toll und bestätigt uns in unserer Arbeit“, erläutert Tanja Seifert. Neben ca. 150 Angestellten in Verwaltung und den Werkstätten in Osnabrück, Bremerhaven, Dorsten und Mettmann sorgen 400 Triebfahrzeugführer und 200 Servicemitarbeiter an zahlreichen Einsatzstellen im gesamten Verkehrsnetz für einen zuverlässigen Verkehr und reibungslosen Service. „Insgesamt sind wir ein junges Team mit einem  Durchschnittsalter von unter 40 Jahren“, so Tanja Seifert. „Wir schätzen Mitarbeiter, die offen sind für Neues und sich etwas trauen.“ Getreu dem Motto: Wer querdenkt, darf auch Fehler machen, die dann aufgefangen werden. „Dafür sind wir doch ein Team“, sagt Tanja Seifert.